Rechtsgebiet: Arbeitsrecht

Kündigung – was nun?

Rund eine Million Arbeitnehmer erleben jedes Jahr in Deutschland einen Alptraum: Sie werden entlassen. Mit einem Schlag verändert sich ihr Leben – Angst vor Harz IV und dem sozialen Abstieg macht sich breit. Hinzu kommt die Frage: Wie soll ich auf die Kündigung reagieren? Worauf muss ich achten? Die gute Nachricht lautet: Nicht jede Entlassung ist rechtens! In vielen Fällen lohnt es sich, dagegen vorzugehen.

Grundsätzlich gilt: Wer seit mehr als 6 Monaten in einem Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern beschäftigt ist, genießt Kündigungsschutz. Dieses bedeutet: Der Arbeitgeber kann einen Mitarbeiter nur dann entlassen, wenn er triftige Gründe dafür hat.

Am häufigsten kündigen Arbeitgeber aus betriebsbedingten Gründen. Eine solche betriebsbedingte Kündigung ist dann angreifbar, wenn der Arbeitgeber bei der Auswahl der Mitarbeiter Fehler macht, z.B. den Familienvater kündigt und den Single verschont. Dies wäre bezogen auf den Einzelfall zu prüfen. Bei verhaltens- oder personenbedingten Kündigungen ist üblicherweise nicht gleich eine Kündigung berechtigt, sondern es muss zunächst eine Abmahnung ausgesprochen werden, was viele Arbeitgeber vergessen.

Wichtig aber: Wer gegen seine Kündigung klagen will, muss innerhalb von drei Wochen nach dem Erhalt des Schreibens Kündigungsschutzklage erheben. Vor Gericht wird dann die Kündigung als solche überprüft, wobei in vielen Fällen in den Verhandlungen beim Arbeitsgericht die grundsätzlich freiwillige Zahlung einer Abfindung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses erörtert wird. Viele Arbeitgeber zahlen eine Abfindung, wenn damit das Verfahren möglichst kurzfristig beendet wird!

Wer jedoch die 3-Wochen-Frist verstreichen lässt, ohne Klage zu erheben, kann die Kündigung nicht mehr anfechten. Das Gesetz geht dann von der Wirksamkeit der Kündigung aus. Wenn die Frist einmal versäumt ist, ist ein Vorgehen gegen die Kündigung nur unter sehr engen Voraussetzungen möglich, die wiederum bezogen auf den Einzelfall geprüft werden müssen.

Bei den arbeitsgerichtlichen Verhandlungen wird auch in vielen Fällen das Thema Freistellung im Zusammenhang mit einer Kündigung erörtert; oft stellen Unternehmen gekündigte Mitarbeiter bei vollem Gehalt von der Arbeit frei. Das klingt zunächst verlockend, kann aber Probleme mit der Sozialversicherung mit sich bringen, da eine unwiderrufliche Freistellung als sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses gilt, mit der Folge, dass der Mitarbeiter nur noch einen Monat über den Arbeitgeber krankenversichert ist. Insgesamt gilt: Das Vorgehen im Zusammenhang mit einer Kündigung muss sorgfältig abgewogen und möglichst fundiert begleitet werden.